Artgerecht - Das andere Kleinkindbuch

Rezension

artgerecht – Das andere Kleinkindbuch // Nicola Schmidt // Kösel-Verlag // 304 Seiten // 29. Mai 2018 // Gebundene Ausgabe 22,00 // eBook 17,99


🌟🌟🌟⭐⭐

3 von 5 Sternen




Attachment Parenting – Pro Level




Inhalt:


Nicola Schmidt ist selbst Mutter, und hat nach 'artgerecht -  Das andere Babybuch' jetzt Tipps für die nächste Phase – Kleinkinder – gesammelt. Auf dem Cover steht: Gefühle liebevoll begleiten, Entwicklungsschritte verstehen, mit Kindern wachsen.

Das Buch soll Eltern helfen, ihre Kinder besser zu verstehen und entspannter durch die schwierigen Phasen finden. 

Die Autorin bietet außerdem Fortbildungen und Camps an.


Details:


Das Buch beginnt mit einer kleinen Einleitung. Dann beginnen die verschiedenen Kapitel, die sich um die großen Themen drehen: Essen, Schlafen, Trocken werden, Spielen usw.

Die Kapitel sind immer ähnlich strukturiert mit Einleitung, Infokästchen (oft auch Erläuterungen von Studien oder Zitate aus anderen Büchern), Aussagen von Familien und „Ammenmärchen“. Die Probleme und Situationen werden erläutert, und Lösungen vorgeschlagen. Oft nennt die Autorin hier Beispiele aus ihrer eigenen Familie oder von Bekannten oder Kursteilnehmern. Am Ende kommt eine Zusammenfassung des Kapitels.


Das ganze Buch ist auf bindungsorientierte Erziehung ausgelegt. Das heißt, die Autorin sieht die Kinder als gleichwertige Partner, die respektiert und gehört werden müssen. Druck, schreien, oder gar Bestrafungen sind absolut Tabu. 


Im Grunde geht es meistens darum: Wie war unser Leben früher? Als Jäger- und Sammler? Denn, auch wenn unsere Technologie sich verändert hat und wir unsere Umgebung unseren Bedürfnissen angepasst haben: unser Gehirn und unser Körper haben sich seit der Steinzeit kaum verändert. Warum reagieren also Kinder, wie sie reagieren? Und wie gehe ich „artgerecht“ darauf ein?


Meinung:


Diese Rezension zu schreiben, ist wirklich schwierig. Denn ich bin ziemlich zwiegespalten. Allem voraus möchte ich erstmal sagen, dass ich diese Art der Erziehung – also bindungsorientiert – absolut vertrete und versuche meine Kinder auch so zu begleiten. Zum Beispiel stille ich meinen Sohn immer noch und trage viel. 


Im Buch gibt es durchaus sehr positive Aspekte, gute Tipps, und Erläuterungen, die absolut Sinn machen und die ich versuche umzusetzen.


Aber es gibt auch Dinge – da konnte ich nur den Kopf schütteln! 


Beispiel:


Die Autorin möchte es vermeiden, das Kind zu etwas zu zwingen. 

Wenn es also Zähne putzen nicht mag – sollte man darüber nachdenken, die Ernährung umzustellen, und das Zähne putzen ruhig auch mal weglassen.

Schließlich hätten das die Jäger und Sammler auch nicht gemacht.


Naja, dazu kann ich nur sagen: Die Jäger und Sammler sind aus Gründen oft nicht besonders alt geworden. 

In diesem Fall hinkt der Vergleich also.


Was mir auch nicht gefallen hat, war der Schreibstil und die Struktur. 

Auch wenn es manchmal Sätze gab, bei denen die Autorin Umgangssprache verwendet und ich schmunzeln musste, war der Großteil etwas trocken. Sie verweist z.B. extrem oft auf andere Autoren, was den Text langatmig macht und verkompliziert. Außerdem zeigt dies, dass viele Punkte im Buch im Grunde nur erweiterte Ideen Anderer sind.


Ein weiterer Negativpunkt: Die ständige Wiederholung. Nicht nur wiederholt sich innerhalb des Kapitels ja alles, da es am Ende oder in den Infokästchen (oder in Beidem) nochmal zusammengefasst wird. Es wiederholt sich auch einfach inhaltlich, da manche Dinge in mehreren Kapiteln oder innerhalb kurzer Zeit nochmal gesagt werden, nur in anderer Wortwahl.


Zu diesem Gewusel passt auch irgendwie, dass die Autorin sich manchmal selbst widerspricht. 


Beispiel


Die Autorin macht deutlich, dass bei allen Freiheiten manche Entscheidungen den Erwachsenen obliegen, und darunter fällt Sicherheit und Gesundheit. Als Beispiel wird zB. Das Anschnallen im Auto genannt oder medizinisch notwendige Eingriffe. Dies widerspricht sich für mich persönlich mit den Aussagen an anderer Stelle, dass das Kind zB. Selbst entscheidet ob es Zähne putzt, badet, sich kämmt oder sich überhaupt anzieht. Im weitesten Sinne fällt dies aber auch, gerade bei kleineren Kindern, unter die obigen Punkte. 



Fazit:


Obwohl es viel gab, was mir absolut nicht gefallen hat, und ich mich stellenweise durch das Buch quälen musste, konnte ich einiges für mich mitnehmen und fand manche Sichtweisen interessant.


☆ Zusatz:

Das Buch ist ein Hardcover- Buch, dass nicht die gewöhnlichen Taschenbuch- Maße hat. Dadurch sind die Seiten natürlich größer, und es sieht im Regal recht schön aus, ist aber, wie ich finde, unhandlicher zu halten. 



Zitat:


„Ich finde Jesper Juul super, und ich liebe seine Bücher. Was mir allerdings bei ihm oft fehlt, ist die Hilfe für meinen ganz konkreten Alltag. 

Ja, ich habe ein kompetentes Kind – aber wie genau kriege ich es jetzt dazu, seinen Schlafanzug in den Wäschekorb zu bringen?“



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Danke an BLOGGERPORTAL für das Rezensionsexemplar. Übrigens habe ich vom BLOGGERPORTAL auch das 'Babybuch' bekommen und werde dazu natürlich demnächst ebenfalls eine Rezension schreiben.

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